letzte Kommentare
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Datum
12.04.2026 20:21
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Verfasser
uta Philipp
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Tour
Kolmkarscharte
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Kommentar
Wow, sehr aussagekräftige Bilder!!! Bei "On the Road" war die Lawine da oben (vo...
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| Datum | Bundesland | Verfasser | Tour |
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Im Gedenken an das Lawinenunglück am Mitterberg, 19.02.2016, Gerd Frühwirth
Rettungseinsatz bei der Schweizerhütte
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Peter Radacher sen. beschrei…
Rettungseinsatz bei der Schweizerhütte
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Peter Radacher sen. beschrei…
Mitterbergsattel und Mandlwand
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Der heute 86-jährige Pe…
Mitterbergsattel und Mandlwand
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Der heute 86-jährige Pe…
Tiefblick vom Auslösepunkt
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Das Bild vom 9. März 20…
Tiefblick vom Auslösepunkt
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Das Bild vom 9. März 20…
Blick in die Mandlwänd
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Das Jägerhäusl (re…
Blick in die Mandlwänd
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Das Jägerhäusl (re…
Dank und Gedenken
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Am Friedhof in Bischofshofen…
Dank und Gedenken
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Am Friedhof in Bischofshofen…
k.u.k. II. Skikompanie
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Im ersten Weltk…
k.u.k. II. Skikompanie
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Im ersten Weltk…
Tourenbeschreibung
Heute vor 100 Jahren, am 19. Februar 1916, ereignete sich am Mitterbergsattel zwischen der Mandlwand und dem Hochkeil das bis dato größte Lawinenunglück der Ostalpen.
Ludwig Henker, der damalige Bergbaubetriebsleiter, hielt in einer Niederschrift dazu fest:
Junge kräftige Burschen, welche dazu auserkoren waren, als Schiläufer in dem Kampfe gegen unsere zahlreichen Gegner eingereiht zu werden, wurden das Opfer eines Elementarereignisses, wie es an Größe und Umfang seit Menschengedenken in Salzburg nicht vorgekommen ist. Ohne fremdes Verschulden wurden Sie Opfer eines, eines schrecklichen Todes im Dienste des Vaterlandes. Ehre ihrem Angedenken!
Zu dieser Zeit waren im damaligen Mitterberger Gasthof (später Arthurhaus) und den umliegenden Hütten und Wohngebäuden der Mitterberger Kupfer AG insgesamt 315 Soldaten der k.u.k. II. Skikompanie, Wien, einquartiert, um Übungen im alpinen Gelände und die Schiausbildung zu absolvieren. Insgesamt wurden 245 Soldaten verschüttet. Ohne fremde Hilfe konnten sich davon 79 befreien, 109 wurden lebend ausgegraben, davon 72 Mann in schwer verletztem Zustand. Für 58 Soldaten kam leider jede Hilfe zu spät. Sie konnten nur mehr tot geborgen werden und wurden in einem Massengrab auf dem Friedhof in Bischofshofen bestattet.
Die Schnee- und Lawinensituation, die zur Katastrophe geführt hat, beschreibt Ludwig Henker in seinem Bericht wie folgt:
Am 16. Feber 1916 setzte nach den Feststellungen der hydrographischen Beobachtungsstation am Mitterberg heftiges Schneetreiben ein, welches fast ununterbrochen bis knapp vor der Unfallsstunde fortsetzte. Die anfänglich niedere Temperatur stieg während der Schneefälle, Sturm und Regen waren die abwechselnden Begleiter und das Barometer registrierte einen bedeutenden Sturz. Die Dächer der Werks- und Wohn- sowie der Landwirtschaftgebäude krachten unter dem Schneedruck, sodass die Betriebsleitung am Morgen des 19. Feber sich entschloss, das Nachmittagsdrittel des Grubenbetriebes aufzulassen und die Mannschaft, ca. 180 Mann, zu den dringendsten Schneearbeiten zu verwenden. 270 Schneeschaufeln wurden während des Vormittags nach Mitterberg dirigiert. Die Niederschlagshöhe der letzten Schneefälle erreichte auf dem Barbarahorizont (1335 m SH) 2,85 m und stieg schätzungsweise pro 100 m Höhenunterschied um 15 cm, sodass beim Gasthof Mitterberg (1517 m SH) eine solche von 3.12 m und am Hochkeil, bzw. den gegenüber liegenden Mandlwänden (rund 2000 m) die Schneehöhe bereits auf 3,80 m gestiegen sein dürfte.
Vorzimmerer Jakob Egger, welcher mit russischen Kriegsgefangenen zu Mittag den Auftrag erhielt, die Schneeschöpfarbeiten beim Gasthof Mitterberg, bzw. den umliegenden Alphütten durchzuführen, erinnert sich als Augenzeuge der ersten Lawine an folgendes:
In Durchführung des erhaltenen Auftrages begab ich mich mit 10 russischen kriegsgefangenen Arbeitern zum Gasthof Mitterberg, um die stark belasteten Dächer der Gebäude abzuschöpfen. Das Wetter hatte sich gelichtet, es war um die Mittagsstunde klar, weitsichtig und warm geworden, der Sturm hatte sich gelegt. Nachmittags um 1 Uhr begannen wir mit der Arbeit. Die Russen hatten sich so verteilt, dass ich ihre Arbeitsleistung im Auge behalten konnte. Nach etwa ¾- stündiger Arbeit sah ich zufällig gegen den Kälberriedel und erinnerte mich des Lawinensturzes 1896 und an die Lawinenverbauung, an der ich selbst mitgearbeitet hatte. Links, unmittelbar neben der Kirchsteinhütte sah ich einen Zug Soldaten, während vor dem Hause eine Menge Skier senkrecht in die Schneefläche eingerammt waren.
Plötzlich sah ich deutlich oberhalb der Lawinenmauer Schneewolken aufsteigen, alle Fernsicht verschwand und ich verspürte einen mäßigen Luftdruck, ohne ein besonders heftiges Geräusch zu hören. Nach einigen Sekunden aber kam plötzlich ein gewaltiger Luftstoß, der mich in die stehende Schneewand einklemmte, ich hörte noch ein furchtbares Schreien und Krachen im Gebälke und dann lautlose Stille. Etwa eine Minute später war noch ein neuerlicher, aber weniger starker Luftdruck wahrnehmbar. Nach Erzählungen der Russen seien dieselben zum Teil über das Dach hinweggefegt worden, einer will etwa 10 Meter weit geschleudert worden sein. Die Lawine war knapp vor der Kirchsteinhütte und etwa einen Meter vor der Gasthoftüre zur Ruhe gekommen, die Höhe des Lawinenflusses erreichte nahezu die Höhe des ersten Stockes.
Nach Aussagen einiger Soldaten sah man nach der ersten Lawine noch mehrere, sich aus der Schneemenge herausarbeitende Menschen, die nach dem zweiten Luftdruck unter den nachstürzenden Schneemassen begraben wurden. Es folgte unmittelbar darauf zumindest noch eine weitere Lawine.
Bereits vor diesem Ereignis im Jahr 1916 wurden am Mitterberg Schutzbauten gegen Lawinen errichtet, aber leider erwiesen sich diese Maßnahmen als zu gering. Nach der Zerstörung des Arthurhauses im Jahr 1967 durch eine mächtige Staublawine wurden daraufhin im gesamten Einzugsgebiet die Lawinenwälle zum Schutz der Gebäude weiter ausgebaut. Seit 1901 erfolgt am Mitterberg bereits eine eingehende Beobachtung, Dokumentation und Beurteilung der Schnee- und Lawinensituation rund um den Mitterbergsattel durch die Familien Radacher (Arthurhaus, Hochkeilhaus) und Kreuzberger, den ehemaligen Hüttenwirtsleuten von der Mitterfeldalm. Aufgrund deren Erfahrung und der baulichen Schutzmaßnahmen kam es seither zu keinen Personenschäden oder Schäden an bewohnten Gebäuden durch Lawinen in diesem Gebiet.
Vielen Dank an die Familie Radacher für die Informationen und das historische Bildmaterial!